Montag, 13. Februar 2017

Arbeitslos

Manche Erlebnisse kann man kaum glauben.

Es begann damit, dass mein Chef mich fragte, ob ich meine Teilzeitstelle nicht von 15 Stunden auf 35 erhöhen wollte.
Die Firma befindet sich seit längerer Zeit im Aufschwung und die Auftragslage ist sehr gut.

Ich gab ihm zu bedenken, dass mein jüngerer Sohn zwar an den 2 Vormittagen, die ich im Büro bin, die Übermittagsbetreuung der Grundschule besucht, diese aber hasst.
Er fühlt sich da unwohl, es ist ihm zu laut, zu voll, zu unruhig und Essen gibt es für die "14 Uhr "-Kinder auch nichts.
Manche Kinder müssen nach der Schule erstmal richtig Dampf ablassen; der Lilun gehört zu denjenigen, die erstmal Ruhe brauchen und eine Ruhezone gibt es dort aus räumlichen Gründen nicht.

Würde ich auf 35 Stunden aufstocken, müsste er jeden Tag in die Betreuung.
Da habe ich ein schlechtes Gewissen.

Ich schlug dem Chef also vor, nicht auf 35, sondern erstmal auf 20 Stunden zu erhöhen.
Aber 20 Stunden reichen ihm wohl  nicht.
Ich soll dem Kind einen Schlüssel geben, meinte er.

Der Lilun ist in einem sehr experimentierfreudigen Alter, den lasse ich nicht stundenlang alleine zuhause. Und wenn ich an die ganzen verlorenen Sportschuhe, Mützen und Brotboxen denke, habe ich Angst um unser aller Sicherheit, wenn er erstmal (versehentlich) unsere Schlüssel unter die Leute gebracht hat :-)

Jedenfalls sind der Chef und ich so auseinandergegangen, dass wir beide nochmal drüber nachdenken wollen und dann später nochmal reden.

Mittlerweile hatte ich mir überlegt, ihm 25 Stunden anzubieten. Dann wäre der Lilun zwar täglich in der Betreuung, aber nur bis 14 Uhr.

Ich wartete also darauf, dass er sich nochmals meldet und war froh, als viele Wochen ins Land gingen, ohne dass er sich rührte.

Dann neulich fuhr er plötzlich vormittags vom Gelände.
Kaum war er weg, betrat die Personalchefin mein Büro und überreichte mir einen großen Umschlag "Das soll ich Ihnen vom Chef geben".
Ich dachte, mich haut's um: da war tatsächlich die Kündigung drin!
"Sie können jetzt direkt nach Hause gehen, hat er gesagt." 
"Aber ich habe erst in 2 Stunden Feierabend!" habe ich gestottert und die Tränen sind mir dummerweise auch in die Augen geschossen.
"Das geht so in Ordnung. Und Sie müssen auch nicht mehr wiederkommen, wir verrechnen Urlaubsanspruch und Überstunden."
Hä? Wir wollten doch nochmal drüber reden, oder nicht? Ich wollte direkt zu ihm hin und das klären, aber er war ja weg.
Mit Absicht, der feige Typ!
Wahrscheinlich saß er im Café del Sol und wartete auf ihren Anruf "Die Luft ist rein, sie ist jetzt weg!"
Trau ich ihm zu.

Am anderen Tag bin ich nochmals hin, um ein klärendes Gespräch mit ihm zuführen, aber er war wieder nicht da. Also nahm ich nur meine restlichen Sachen mit und ging auf Nimmerwiedersehen.
Wenigstens haben sie meine Arbeitsamtsbescheinigungen und Arbeitszeugnis schnell und problemlos ausgefüllt.

Der Lilun muss nun erstmal nicht in die Betreuung und er freut sich echt sehr.

Das ist jetzt 5 Wochen her.
Ich habe die Firma ein wenig "gestalkt", um zu erfahren, wer nun meinen Platz besetzt. Aber erst seit heute ist eine Neue da.
Da ließ er meinen Job lieber 5 Wochen unerledigt, als mich sol lange noch dazubehalten. Konnte mich offenbar nicht schnell genug loswerden. Ich habe mir da nie etwas zu Schulden kommen lassen und habe meine Arbeit zuverlässig erledigt. Und ich war die Einzige, die sich freiwillig um den blöden Vollautomaten gekümmert hat, der 3x am Tag nach Tabs und Trestern schrie.
Nagt am Selbstbewusstsein.

Auf zu neuen Ufern.
Eigentlich könnte ich mir eine Ausbildung "kaufen". Ich wollte schon immer gerne was handwerkliches machen.
Aber nicht Strickerin für Dawanda, sondern Stukkateurin im Dom, oder sowas.

Wenigstens muss ich mir um die Finanzen keine Sorgen machen :-)

Donnerstag, 2. Februar 2017

Unbezahlbar

Was man sich nicht kaufen kann:


- einen zuverlässigen Chemie-Nachhilfelehrer

- eine Heilung für die Hüftdysplasie vom Hund

- einen Lebenspartner

- Liebe

- Stil und Geschmack

- Freundlichkeit (Vielleicht sollte ich mal mit ein paar Tausendern winken, wenn der nächste mich blöd anblafft; Geld soll da ja Wunder wirken oder wurde die Queen jemals von irgendjemandem angeblafft? Ich glaube nicht!)

- optimales Wetter

- Zufriedenheit 

- Mut 

- einen Psychotherapeuten für Mutters Depressionen, der SOFORT einen Termin hat und nicht erst in 3 Monaten

- eine Haarbeschaffenheit, die eine Frisur möglich macht

- eine gerade Wirbelsäule

- Talent (zum? Singen, basteln, handwerken?)

- ein sorgenfreies Leben für die Kinder ohne miese Erfahrungen und Gefahren

- Freunde

- einen optimalen Arbeitsplatz

- Herzensbildung

- Weltfrieden


Aber das wisst ihr ja alles selber, ich wollt's nur nochmal betonen!

Wenigstens könnte man sich Drogen hinterm Bahnhof besorgen (oder wo man sonst Drogen herbekommt), um den ganzen Driss besser zu ertragen :-)


Mittwoch, 18. Januar 2017

Ich reich - ihr ratlos

Was schenkt man einem wohlhabenden Menschen zu Weihnachten?

Ich will niemanden in die Bredouille bringen. Tue ich aber offenbar unbeabsichtigt.

Meine Mutter, den Bigun und meiner Freundin stellt meine Kohle vor ein Problem:
was schenkt man jemandem, der sich alles (und noch viel mehr) selber kaufen kann?
Kommt nicht alles, was man im "Normalpreisbereich" besorgt, poplig rüber?

Meine Freundin zum Beispiel wollte mir eine dieser gerade angesagten Strickmützen kaufen, die einen Pelzbommel oben dran haben.
Am besten gefielen ihr die Mützen von H&M.
Durchschnittspreis 15 Euro.
Normalerweise hätte sie die gekauft.
Nun aber quälten sie so Fragen wie "Wird Ricarda diese billige Mütze überhaupt gefallen?"
Außerdem hat sie nicht das Geld, um mir für 80 Euro eine Echtpelzbommel-Mütze zu kaufen.
(Was ich echt mies gefunden hätte! Kein Echtpelz ever!)

Jedenfalls hatte H & M stark reduziert und so kaufte sie mir 3 Mützen für insgesamt 15 Euro.
Die Mützen sind toll und ich trage sie gerne und mehr muss es ja auch nicht. Ob da "Bogner" dransteht oder "H&M" oder "100 % Polyacryl" statt "100% Kaschmir" ist mir sehr egal. Was zählt: meine Freundin hat sich Gedanken gemacht, hatte eine gute Idee und  sie gut umgesetzt.

Ich selber habe ihr etwas teures geschenkt, das hätte ich nicht tun sollen.
Sie schwärmt schon seit langem von einem Portemonnaie eines bestimmten Designers.
Das habe ich ihr gekauft.
Das Portemonnaie hat 250 Euro gekostet. Ich hätte ihr sowas teures wahrscheinlich  nicht gekauft, wenn sie nicht schon seit Jahren scharf darauf wäre. 
Mich hat das ziemlich erfreut; sie auch, aber: sie plagt das Gewissen.
Sie mit ihren billigen Mützen und ich dagegen mit diesem teuren Stück.
Aber ich habe sie "zur Strafe" gleich beruhigt: "Das wird das einzige teure Stück sein, das ich dir kaufe! Demnächst gibts wieder nur ein Buch für nen Zehner!"

Meine Mutter und der Bigun wurden von ähnliche Gedanken umgetrieben.
Und "beschränkten" sich auf einen Restaurantgutschein und ein Bildband über die Bretagne.
Ich finde beides sehr gut und darauf kommts ja unterm Strich an.

ich erinnere mich an eine alte Schulkollegin, deren Vater in den 80ern eine Agentur für Musiker betrieb. Unter anderem betreute er Nena.
Als Nena vor einigen Jahren 50 wurde, war der Vater zu einer Riesenparty eingeladen.
Ich weiß noch, wie ich meine Schulfreundin gefragt hatte, was er Nena denn, die ja reich und berühmt ist, geschenkt hat.
"Nichts." war die Antwort und "So jemandem schenkt man höchsten einen Blumenstrauß, die hat ja schon alles."

(Ein Blumenstrauß ist auch schön und völlig in Ordnung, aber mich beschäftigt dieser Grundgedanke "Wohlhabenden schenkt man nur sauteures oder nichts." Das ist irgendwie traurig...)

Freitag, 6. Januar 2017

Ach, wie süß!

Ich würde der Allgemeinheit gerne mal etwas zeigen:



Dieses Törtchen, denn Torte kann man bei der Größe wirklich nicht dazu sagen, kostet 50 Euro.
Schaut euch die Größe an!
Die Höhe beträgt ca. 7 cm.
Der Fünfziger, den es kostet, ist größer als das Törtchen selber.
Die 4 Umkartons, samt Plastikfolie, Siegel und Schleifen habe ich jetzt mal nicht mitfotografiert :-)

Das ist unglaublich.

Nur gut, dass dieses Stückchen Kuchen, Entschuldigung: die Imperial-Torte fantastisch geschmeckt hat, so dass ich den Kauf nicht bereut habe.

Wen es interessiert: Es gibt auch eine Geschichte zur Torte:
https://imperialtorte.com/int/de
Klar, bei DEM Preis will man auch Entertainment dazu :-)

Freitag, 30. Dezember 2016

Was lacostet die Welt?

Zu Weihnachten habe ich Gutes verschenkt.
"Gut" im Sinne von teuer und hochwertig.
Auch Menschen, die von meiner Erbschaft nichts wissen haben diesmal etwas kostspieligere Sachen bekommen.

Einen Teil habe ich live gekauft, einen Teil habe ich online geshoppt.

Was mir bei allen Käufen und Bestellungen negativ aufgefallen ist:
egal, was man im hochpreisigen Bereich kauft, seien es Lebensmittel, Getränke, Accessoires oder Kleidung, es ist ist eine Umweltsauerei.
Ja, echt.
Es ist zwar alles wunderschön verpackt, sogar die Salami (hihi), aber man nestelt sich beim Auspacken durch Bänder, Schleifen, Tücher, muss sich durch Seidenpapier, Lackpapier und Pergament wühlen, und am Ende stapeln sich leere Holzkistchen, Tütchen und Samtkartons.
Und ich spreche jetzt nicht von Geschenkverpackungen, nee, ich meine die ganz normalen Verkaufsverpackungen.
Ja, spinnen die denn?

Am "Besten" war eine kleine original Sachertorte verpackt:
In mehreren Lagen Seidenpapier war ein Karton (40 x 40 cm) eingeschlagen.
Der Karton war umhüllt von einer zugeschweißten Plastikfolie.
Der Karton selber war fast schon ein kleines Regal: ein sehr stabiler und schön bedruckter Karton mit Schublade.
In der Schublade befanden sich schwarze Papierschnipsel.
In den Schnipseln fand man dann eine Holzkiste (25 x 25 cm).
Darin befand sich ein zugeschweißter Karton und darin endlich - das Sachertörtchen (20 x 20).

Klar muss ein Lebensmittel sehr gut verpackt sein, grad wenn sie so einen langen Weg hinter sich haben, wie das Wiener Törtchen, aber etwas weniger Bohai, besser gesagt: Müll, wäre schon toll. Das schaffen Bofrost oder Diäko ja auch!

Und ja: es macht Spaß "großartig" auszupacken. Aber man muss es echt nicht übertreiben und mir ist dann doch die Müllvermeidung wichtiger.
Aber es fällt mir immer wieder auf: je teurer, desto mehr Verpackungsmüll, selbst wenn man es vor Ort kauft.
Chanelballerinas für Mutter: Karton, Seidenpapier im Karton, Seidenpapier im Schuh, Schleifen, Stoffbeutel, Lackpapiertüte.
Too much!
Aber: du sagst auch nicht wie sonst bei Deichmann: "Lassen Sie den Karton weg, ich packe mir die Schuhe in meinen Shopper."
Das wär ja fast schon Frevel :-)))


Übrigens: 
diejenige, die das Sachertörtchen geschenkt bekommen hat, nutzt den Schubladenkarton jetzt für ihre Nylons :-)
Und das Törtchen hat bombastisch geschmeckt!!