Freitag, 30. Dezember 2016

Was lacostet die Welt?

Zu Weihnachten habe ich Gutes verschenkt.
"Gut" im Sinne von teuer und hochwertig.
Auch Menschen, die von meiner Erbschaft nichts wissen haben diesmal etwas kostspieligere Sachen bekommen.

Einen Teil habe ich live gekauft, einen Teil habe ich online geshoppt.

Was mir bei allen Käufen und Bestellungen negativ aufgefallen ist:
egal, was man im hochpreisigen Bereich kauft, seien es Lebensmittel, Getränke, Accessoires oder Kleidung, es ist ist eine Umweltsauerei.
Ja, echt.
Es ist zwar alles wunderschön verpackt, sogar die Salami (hihi), aber man nestelt sich beim Auspacken durch Bänder, Schleifen, Tücher, muss sich durch Seidenpapier, Lackpapier und Pergament wühlen, und am Ende stapeln sich leere Holzkistchen, Tütchen und Samtkartons.
Und ich spreche jetzt nicht von Geschenkverpackungen, nee, ich meine die ganz normalen Verkaufsverpackungen.
Ja, spinnen die denn?

Am "Besten" war eine kleine original Sachertorte verpackt:
In mehreren Lagen Seidenpapier war ein Karton (40 x 40 cm) eingeschlagen.
Der Karton war umhüllt von einer zugeschweißten Plastikfolie.
Der Karton selber war fast schon ein kleines Regal: ein sehr stabiler und schön bedruckter Karton mit Schublade.
In der Schublade befanden sich schwarze Papierschnipsel.
In den Schnipseln fand man dann eine Holzkiste (25 x 25 cm).
Darin befand sich ein zugeschweißter Karton und darin endlich - das Sachertörtchen (20 x 20).

Klar muss ein Lebensmittel sehr gut verpackt sein, grad wenn sie so einen langen Weg hinter sich haben, wie das Wiener Törtchen, aber etwas weniger Bohai, besser gesagt: Müll, wäre schon toll. Das schaffen Bofrost oder Diäko ja auch!

Und ja: es macht Spaß "großartig" auszupacken. Aber man muss es echt nicht übertreiben und mir ist dann doch die Müllvermeidung wichtiger.
Aber es fällt mir immer wieder auf: je teurer, desto mehr Verpackungsmüll, selbst wenn man es vor Ort kauft.
Chanelballerinas für Mutter: Karton, Seidenpapier im Karton, Seidenpapier im Schuh, Schleifen, Stoffbeutel, Lackpapiertüte.
Too much!
Aber: du sagst auch nicht wie sonst bei Deichmann: "Lassen Sie den Karton weg, ich packe mir die Schuhe in meinen Shopper."
Das wär ja fast schon Frevel :-)))


Übrigens: 
diejenige, die das Sachertörtchen geschenkt bekommen hat, nutzt den Schubladenkarton jetzt für ihre Nylons :-)
Und das Törtchen hat bombastisch geschmeckt!!

Dienstag, 29. November 2016

Markenrausch

OK, ich hätte da doch noch die ein oder andere Erfahrung mitzuteilen.

Ich saß nun Monate später immer noch wie der Ochs vor'm Berg, besser gesagt: wie die Frau vor'm Geldkoffer.
Irgendwie war die Kohle ja nun da, ich kann sie aber nicht so richtig in mein Leben einordnen.
Das kann man als Außenstehender vielleicht noch weniger verstehen, als ich selbst.
Mein Plan, das Geld zu ignorieren und es höchstens im Notfall mal hervorzukramen, schlägt fehl.
Ich bin froh, dass es da ist, klar, aber es fühlt sich fremdkörperartig an.
Vielleicht sollte ich mir einen guten Psychologen kaufen, um das mal abzuklären :-)

Auf der einen Seite also die zu ignorierende Kohle, auf der anderen Seite meine nicht zu ignorierende Mutter, die ständig predigt: "Kind, nun gönn dir doch mal was!"

Jo, hab ich gedacht, sie hat recht. Wir ziehen jetzt los und hauen richtig auf die Kacke.

Also lud ich sie zu einer Shopping-Tour ein.

Zuerst kauften wir ihr und ihrem kaputten Rücken einen sogenannten Aufstehsessel; die mitlesenden Senioren wissen, was ich meine. Superweiches Leder. Wenn man nun ihr Wohnzimmer betritt, wähnt man sich in einem Schuhgeschäft, so intensiv ist der Lederduft. Herrlich :-))))
850 Euro. (für einen Stuhl!!)

Das war das Nützliche.
Den Rest des Tages haben wir nur Geldvernichtung betrieben.

Wir betraten einen Feinkostladen (nicht Feinkost Albrecht ;-)) und kauften "Reiche Leute"-Dinge, so Klassiker, die wir noch nie gekauft oder gegessen haben.

Kaviar, Roederer-Champagner, Wintertrüffel, Safran, Hummer, Kreutzkamm-Baumkuchen, DreiMeister-Pralinen, Kaffee, usw.
Die Rechnung belief sich auf 482 Euro.
Und wir haben nicht mal die teuersten Produkte gekauft!

Weiter gings:
Ich besitze nun Schuhe von Bally (298 €), 1 Jeans von Jil Sander (279), eine Bluse von Donna Karan  (189) und einen Schal von Burberry (379).
Ich trage nun honigbraun gefärbtes Haar (w,s,f, 125) und habe mir Gelnägel (70) machen lassen. 

Und?

Bin ich ein besserer Mensch, weil ich nun besser aussehe und besser gekleidet bin? Nö.

Und was die Fressalien ..ähm.. die Delikatessen betrifft: ganz ehrlich?
Das meiste hat mir gar nicht geschmeckt (Kaviar? Was soll das denn?!). Wiederholung also unnötig. Ja, ich weiß, ich bin ein Banause. 
Für mich ist eine Jeans eine Jeans, ob nun 27,95 € von Takko oder 279 von Jil Sander.

Bin ich nun geizig oder falsch konditioniert?

Freitag, 18. November 2016

Zu arm zu bloggen

Die anfängliche Aufgeregtheit um die Erbschaft hat sich gelegt.
Ich wusste damals nicht, wohin mit meinen Gedanken und Emotionen diesbezüglich.
Was liegt da näher, als sowas in einem Blog herauszulassen :-)

Wenn ich nun Weltenbummlerin wäre oder ein Mann, dann könnte ich jetzt hier Geschichten schreiben über New York, Rio, Tokio und Koks, Nutten und Porsches.

Alles geht seinen Weg wie immer.
Ich gehe weiter arbeiten; habe meinem Chef nicht vor die Füße gerotzt. Warum auch, der ist echt nett.
Einen Schuhschrank habe ich mir gekauft und der Lilun feiert demnächst seinen Kindergeburtstag in einer Ritterburg samt "Wir basteln uns ein Holzschild".
Und Mutter habe ich versprochen, ich fahre mit ihr zum Christkindlsmarkt in Nürnberg.
Aufregend, was?
Nö.

Ein Blog muss Interessantes bieten, Fesselndes, Aufregendes, Unanständiges.
Aber 500.000 minus 128.000 € Erbschaftssteuer sind tatsächlich zu wenig, um einen Blog zu befeuern.
Und deshalb habe ich beschlossen, ihn in den nächsten Tagen zu löschen.

Oder wenigstens zu deaktivieren, vielleicht passiert ja noch irgendwas enorm Spannendes :-)

Danke für's Lesen und kommentieren!

Mittwoch, 2. November 2016

Neuschwanstein

Übers verlängerte Wochenende mal eben nach Füssen gejettet und das Schloss besichtigt.
Da träumt meine Mutter schon seit 1972 von.
Seit sie damals Viscontis "Ludwig II" gesehen und sich in Helmut Berger verliebt hat. 
Und ich bin ja Märchenschlössern und Prunk und Pomp auch nicht abgeneigt.

Es war voll. Sehr sehr voll.

Und leider wurde der erste Eindruck geschmälert, da das Tor eingerüstet ist.
Leichte Enttäuschung bei Mutter, aber das unglaubliche Interieur versöhnte sie dann wieder.

Man empfahl uns ein Doppelticket, sehr günstig, mit dem man das Schloss Hohenschwangau nebenan besichtigen konnte.

Die Jungs haben sich gelangweilt. Nun ja. Bildung macht erst Spaß, wenn man sie sich nicht mehr aneignen MUSS.

Das nächste mal gehts wohl lieber nach Disneyworld Paris :-)

Und die Mutter?
Findet den Berger mittlerweile zum Abgewöhnen, aber das Schloss zum Niederknien.



Freitag, 28. Oktober 2016

Empfindlich

Mit dem Geld kam der Verfolgungswahn.

Ich meine jetzt nicht Verfolgungswahn im Sinne von "Hoffentlich werde ich nicht ausgeraubt oder entführt!".

Mir fällt nur einiges auf.

Oder bilde ich mir das bloß ein, dass meine beste Freundin, die als einzige eingeweiht ist (also außer Mutter und Bigun), plötzlich vermehrt von Geld redet? Und wie wenig sie davon haben. Und dass das Studium des Sohnes teuer ist und dass die Reparatur des Autos ziemlich reinhaut, etc.
Sie hat eigentlich immer schon übers Geld gejammert, und das obwohl sie 2x jährlich Urlaub machen, 2 Autos fahren und Haus besitzen OHNE verschuldet zu sein.
Aber ich finde, in letzter Zeit wirds mehr.
Erwartet sie was? Erwartet sie womöglich, dass ich ihr anbiete finanziell zu helfen, beim Studium? Bei der Reparatur des Autos?
Erwartet sie dickere Geschenke zum Geburtstag?

Ich habe ihr versprochen, dass ich (bzw. wir) sie und ihre Familie in ein Sterne-Restaurant einladen.
Allerdings haben wir mittlerweile davon Abstand genommen, weil wir uns einig sind, für solche Gelegenheiten gar keine geeignete Garderobe zu besitzen :-)
Und 6 Personen neu und luxuriös (denn das müsste es ja sein) einzukleiden, also nein, dazu bin ich dann zu geizig.
Statt 1x Sternessen, gibt es dann 5x normal, aber gut.


Was ich mir allerdings nicht einbilde ist, dass der Bofrost-Fahrer neuerdings jeden meiner Einkäufe kommentiert.
Und das laut und im Treppenhaus unseres 8-Parteien-Hauses.
Fällt halt auf, wenn die Kundin, statt wie sonst nur Zwiebelwürfel oder Brötchen für 3,95 Euro nun Kamm-Muscheln in Champagnersoße für 20 Euro kauft oder Entenbraten für 40.
Geht aber niemanden was an.
Blödmann!

"Oh, Farfalle in Cherrysoße mit echten Trüffelspänen für 24 Euro! Und Hummercocktail für 19 Euro? So teuer ist das? Da ham Se aber was Feines ausgesucht! Trüffel hab ich noch nie gegessen. Schmeckt bestimmt gut!"
Und dann guckt er meist wehmütig (aber vielleicht bilde ich mir das nur ein) und dann würd ich ihm am liebsten eine reinhauen einen Schein zustecken, damit er auch mal Trüffel probieren kann.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Illegal

Ich hielt Steuerberater bislang für harmlose, langweilige Paragrafenreiter.
Der Steuerberater, an den ich mich gewandt hatte, entsprach nun gar nicht diesem Bild.

Schon als ich reinkam, brachte er mich leicht aus der Fassung mit der Frage:
"Wo ist der Koffer?"

Ich: "Welcher Koffer?"
Er: "Na, der Koffer mit dem Geld!"
Ja, haha.
Ich kauf mir demnächst etwas Steuerberaterhumor.


Auf meine Frage, wie ich nun verfahren müsse, antwortete er:
"Wir rufen das zuständige Finanzamt an und lassen uns eine Steuerklärung für Erbschaften schicken. Diese füllen wir aus, schicken sie zurück, warten auf den Bescheid und zahlen dann, was verlangt wird. In Ihrem Fall leider 30%."
Ich : "Aha. Das klingt einfach."

Er: "Ja. Oder.... Sie melden sich NICHT beim Finanzamt, sondern nehmen das Geld von Ihrem Konto und verstecken es irgendwo. Dass Sie geerbt haben, bekommen die aber sowieso heraus, weil große Summen automatisch bei der Bundesbank gemeldet werden. Das wird nicht heute oder morgen sein, vielleicht aber in 2 Jahren.
Dann sagen Sie, dass Sie das Geld verbraten haben, Urlaube, Klamotten, Spielcasino, etc. Da Sie das aber nicht von der Zahlung der Erbschaftssteuer entbindet, werden die Ihr Gehalt pfänden. Und zwar alles, was über 1.000 Euro hinausgeht.
Sie verdienen jetzt 1.200 Euro, müssen dann monatlich 200 Euro abbezahlen und haben im Gegenzug die KOMPLETTE Erbschaft zum verprassen.
Um 120.000 in 200 Euro-Schritten zusammenzupfänden vergehen 50 Jahre. Wenn Sie noch 30 Jahre leben, haben Sie auf die Art höchstens 40.000 gezahlt, weil Sie als Rentnerin später eh nicht mehr als 1.000 Euro Rente bekommen werden."

Wow.
Damit hatte ich nicht gerechnet.
Klingt enorm verlockend.
Ich hab ja noch ein kein wenig Zeit, mir das zu überlegen.
KÖNNTE ich so machen, aber die Tatsache, dass ich da diesen Mitwisser in Form eines Steuerfuches habe, behagt mir ganz und gar nicht.

Dienstag, 11. Oktober 2016

Spenden für Anfänger

Meine Spenden an das Kinderhospiz, das Tierheim, die Grundschul-Bücherei, Ärzte ohne Grenzen, die Lebenshilfe, die Obdachlosen-Hilfe, das Altenheim, Brot-für-die-Welt, die Krebsstiftung und die örtliche Flüchtlingshilfe waren kein Problem.
Und damit hätte ich doch alle "bedürftigen" Randgruppen abgedeckt, oder?

Überweisung ausgefüllt, abgeschickt, fertig.

Die Spende für die Kinderklinik allerdings wurde ich nicht los.

Ich wollte nämlich nicht in diesen Gemeinschaftstopf einzahlen, woraus dann, nach Gutdünken der Verantwortlichen, Geld entnommen wird für das, was sie für erneuernswert halten.
Ich wollte ganz speziell, dass der Aufenthaltsraum für stationär aufgenommene Kinder und ihre Eltern rundum erneuert wird.

Lilun und ich hatten letztens ein Tages-Stelldichein in der Klinik, weil er sich beim Sport übel den Kopf geprellt hatte. Zum Glück früh morgens, so dass wir für die notwendige 12 h-Commotio-Überwachung nicht über Nacht bleiben mussten, sondern um 21 Uhr gehen durften.
Da er also nicht stationär aufgenommen wurde, verbrachten wir den Tag im besagten Aufenthaltsraum.

Dieser Raum war klein und "durch".
Abgeschabte, bekritzelte Wände, wackelige Stühle, klapperige Tischchen, zerfledderte Bücher, zermacktes Spielzeug, gammelige Gardinen, welliger, graumelierter PVC-Boden.
Eine frustrierende Bruchbude also, kein Raum zum Wohlfühlen.
Und Wohlfühlen sollte wohl das mindeste sein, wenn man mit seinem kranken Kind im Krankenhaus hockt.
Witzigerweise dachte ich schon damals: Wenn ich jemals zu Geld komme, dann werde ich diesen Raum verschönern!

Mein Plan:
einen Maler besorgen, der die Wände streicht.
Neuen Boden verlegen lassen.
Neue Gardinen kaufen.
Neue Möbel.
Neues Spielzeug und Bücher.

Das alles würde ich aussuchen, bestellen, fertig machen lassen und bezahlen.

Klingt einfach, ist es aber nicht.

Denn:
Zunächst muss der Krankenhausausschuss des Landes offiziell zustimmen, ob meine Spende angenommen werden darf.
Wenn ja, darf ich in die Töpfe "Spielzeug", "medizinische Geräte" oder "allgemeine Verwendungszwecke" spenden.
Als Sachspenden dürfen Spielzeug, Bücher und Babykleidung angenommen werden.
Alles was die Räume betrifft, nicht.
Es sei denn, ich wäre Inhaberin eines Malerfachbetriebes; dann dürfte ich die Bude streichen und das als Sachspende deklarieren.

Das klang recht kompliziert, was die "Spendenbeauftragte" mir da am Telefon erzählte.
Sie mussten sogar mal eine Spende ablehnen, was damit zusammenhängt, dass diese Klinik eine bestimmte Gesellschaftsform hat (ich hab das genaue Detail vergessen, so perplex war ich!).

Wie krieg ich nun diesen verdammten Raum verschönert?
Ich werde Gardinen besorgen, da einfach reinmarschieren und die Dinger aufhängen.
Bei der Gelegenheit werde ich die ollen Bücher einsacken und neue hinlegen und ein paar bunte Bilder aufhängen.
Wird eh kein Mensch merken. Bei unserem Aufenthalt  kam in 12 Stunden nicht 1x jemand vom Pflegepersonal rein.
Aber der olle Boden und die versifften Wände?
Ich habe nicht vor, einen ganzen Malereifachbetrieb zu kaufen, nur um die Wände legal in sonnengelb gestrichen zu kriegen.

Ich glaube, ich beratschlage mich mal mit einem Maler.

Der Teppichhandel hat den Deal (-> er verlegt neuen Boden, schickt mir die Rechnung und sackt sich gleichzeitig die Spendenquittung vom Krankenhaus ein) schon abgelehnt; der gab sich seeehr misstrauisch mir und meinem Plan gegenüber. Als führte ich einen riesen Betrug im Schilde!

Alles nicht so einfach.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Konsumkater

Gestern war ich in der Stadt unterwegs und kam an einem Juwelier vorbei.
Die Sonne schien und in dem Schaufenster glitzerte und funkelte was.
Ein Ring.
Ein wunderschöner Ring.

Und da ich bisher noch gar nichts von meinem Erbe ausgegeben habe (von den 120.000 Erbschaftssteuer jetzt mal abgesehen), entschloss ich ganz spontan, diese Glitzerfunkelglamour-Preziose zu kaufen.

Hier ist er:



3.950,-- Euro.

Er glitzert und funkelt unglaublich und ich kann nicht aufhören, ihn anzustarren.
Da bin ich ganz Mädchen.

Ich könnte mir davon noch 96 Stück leisten.
Überhaupt ist das jetzt meine neues Hobby: umzurechnen, wieviel X ich mir für mein neues Geld kaufen könnte.

Als ich nach Hause kam, erwartete mich eine Mail des Schulmensabeauftragten. Der Quartalsbetrag war mal wieder fällig.
Ich rechnete um: ich trage nun 987 Schul-Mahlzeiten am Finger.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und fühlte mich irgendwie nicht gut.
Kann ich gar nicht genau beschreiben.
Verkatert, wie nach durchgemachter Nacht.
Oder wie am anderen Morgen in einem fremden Bett aufwachen nach einem nur semiguten one night stand.
Ich überlegte, dass dieser Ring genau so viel gekostet hatte, wie der Betrag, den ich vorm Erben auf meinem Sparbuch hatte.
Das Sparbuch wäre jetzt also platt.

Ich würde ihn am liebsten umtauschen.
Ey, ich trage umgerechnet 987 Mahlzeiten am Finger!


Mannmannmann, konsumieren muss ich wohl noch üben...

Sonntag, 2. Oktober 2016

Klappe halten

Regel No. 1 bei plötzlichem Reichtum:
nicht drüber reden!

380.000 sind eh zu wenig zum drüber reden.
Klingt bekloppt, ist aber so.

Ich habe bisher nur meine beste Freundin eingeweiht.
Und natürlich meine Mutter.

Denn lässt Du deine Freude ungehemmt raus und posaunst es rum, bettelt dich garantiert irgendeiner an.
Die arbeitslose Nachbarin zum Beispiel, mit 4 Kindern von 5 Männern und du sagst "Nö".
Oder die verschuldete Arbeitskollegin, die sich nicht das tiefergelegte Klo für ihre, durch einen Schlaganfall neuerdings gehbehinderte Mutter leisten kann.
Dann bist Du der Arsch auf ewig
Und zwar in der ganzen Stadt, denn Hilfsbereitschaftslosigkeit spricht sich rum.

Ab und zu mal den Cappuccino beim Elternfrühstück für alle zahlen oder die berühmte "Kleinigkeit" zum nächsten Besuch mitbringen - ok.
Aber erstmal muss ich sehen, wie ich bzw. wir klarkommen.

Oh Mann, wie rede ich denn??
Sollte ich diesen Blog besser umbenennen in:
"Wie ich dank Onkel Paul zum Ebenezer Scrooge mutierte"
??

Samstag, 1. Oktober 2016

kaufen kaufen kaufen kaufen

So viel Geld.

Immer, wenn jemand den Lottojackpot geknackt oder bei Jauch die Million abgeräumt hat, hab ich mir Gedanken gemacht, was ich selbst wohl mit so viel Geld machen würde.

- Eine Eigentumswohnung.
Aber bitte weder EG (-> Einrecher!), noch DG (-> Hitzeschock im Sommer).

- Ein neues Auto.
Mein jetziges würd' ich aber so lange fahren, bis es auseinanderbricht. Wir waren schließlich 15 Jahre gemeinsam ohne Vorkommnisse unterwegs.

- Ein Burberry-Mantel.
Träume ich seit Teenagertagen von. Im Burberry-Online-Shop kostet mein Modell 1.800 Euro. Achtzehnhundert für ein Stück Stoff und ein paar Knöpfe. Nun ja.

- Gelnägel.
Sehen toll aus, fühlen sich gut an.

- Spenden.
Kinder, Alte, Kranke, Obdachlose. Gibt genug Bedürftige.

Das war immer so meine ad hoc-Hierarchie.


Heute füge ich noch hinzu:

- Ein Essen für die ganze Familie in einem Sterne-Restaurant.
Wobei ich uns alle aber wohl vorher adäquat einkleiden muss. Vorzugsweise in Burberry :-)

- Ein Stellengesuch.
Da 380.000 € zu wenig sind, um sich beruflich zur Ruhe zu setzen, liebäugele ich damit, eine Anzeige aufzugeben:
"Biete 1.000 € demjenigen, der mir (alleinerziehender Minijobberin) einen versicherungs-pflichtigen Arbeitsplatz vermittelt oder anbietet."
Habe aber Angst, dass das falsch 'rüberkommen könnte.


Und zum Thema Dekadenz:

- Pringles.
Ich würde eine ganzen Karton kaufen, das leckere Gewürz runterlecken und den labberigen Rest wegschmeißen.

- Eine Ballrobe.
So einen richtig riesigen Glitzerglamourfummel. Mit viel Tüll und Glanz & Gloria. SO. Oder SO. Auf einer Figurine, im Wohnzimmer.
Kann man für sowas schon eingeliefert werden? Ich selbst finde erwachsene Frauen, die sich Puppen in die Bude setzen, ja recht wunderlich.
Oha, ich glaube, ich brauche dringend wieder einen Freund!
A propos...

- Ein Account bei Elitepartner.
Auf die Idee kam meine Mutter. Das wäre so teuer, da würde ich auf jeden Fall einen gutsituierten Mann kennenlernen.
Ähm. Nein.
Was mir derzeit am wenigstens abgeht, ist ein Kerl im Haus. Da haben andere "Baustellen" Vorrang. Aber wer weiß, vielleicht ist ja der Steuerberater, den ich mir zwangsläufig suchen muss, mein Typ.
Oder der Bankberater.
Oder der Burberrymantelverkäufer.

- Neues Smartphone.
Groß muss es sein, mit riesiger Tastatur gegen ständiges Vertippen.

- Was anlegen.
Sparbuch? Aktien? Bankkram eben. Null Ahnung von sowas. 


Mal sehen.
Das hat ja auch alles Zeit. Die Kohle liegt ja friedlich da rum und läuft nicht weg.

Ich fühl mich derzeit etwas gehemmt.
Die Leichtigkeit fehlt.
Einfach losziehen, sich was gönnen und genießen - koste es, was es wolle.
Ist vielleicht eine Alterssache.
Mit Ü40 biste vorsichtiger als mit U30.

Wie auch immer, als erstes gönne ich uns jetzt eine dieser unverschämt teuren, aber auch unglaublich leckeren Torten vom 1. Café am Platze.

(In der Preisklasse, in der ich mich nun bewege, heißt lecker "deliziös",oder?)

Schönes Wochenende!

Freitag, 30. September 2016

Erbschaftssteuer

Von der geerbten halben Million bleiben mir "nur" 380.000 Euro.
Das ist schon ein Batzen weniger.
Wer in Deutschland erbt, muss Erbschaftssteuer zahlen.
Auch wenn die Kohle aus dem Ausland kommt.

Für mich als Nichte sind das 25 %.

Unfassbar!
Mit welchem verdammten Recht bedient sich der Staat an der Kohle, die sich jemand mühsam erarbeitet hat?
Gut, Onkel Paul hat sich das Geld eher unmühsam erheiratet, aber grundsätzlich finde ich das ziemlich dreist!

Gesetz den Fall eine Tante hinterlässt ihrer Nichte 1 Million.
Nach Abzug der Steuer bleiben ihr 706.000.

Vor Wut darüber, dass sie knapp 300.000 Steuern zahlen muss, fällt die Nichte tot um und das Geld geht an ihren Bruder.
Nach Abzug der Steuer bleiben dem Bruder 513.000. Euro.

Vor Freude über den Geldsegen fällt auch der Bruder tot um und die Kohle landet bei seiner Freundin.
Unter'm Strich bleiben dieser noch 365.000.
Wow.

Sollte ich tot umfallen, vor Wut oder Freude, das weiß ich noch nicht genau, freuen sich auf jeden Fall meine Jungs Bigun (so nenne ich hier mal den Großen. William Golding lässt grüßen!) und Lilun, der kleine.

Eine halbe Million!

Hallo,
mein Name ist Ricarda und ich habe einen Arsch voll Kohle geerbt.

Grundsätzlich ist das erstmal was Trauriges, schließlich hat für meinen Geldsegen zuvor jemand die Hufe hochklappen müssen.
Und dieser Jemand war mein Onkel Paul.

Onkel Paul ist mit 91 Jahren gesund gestorben. Kein Siechtum oder Demenz oder so.
Kurz vor meiner Geburt ist er nach Kanada ausgewandert und hat dort eine wohlhabende Kanadierin geheiratet.
Seit einem schweren Autounfall, bei dem seine Frau verstarb, saß Paul im Rollstuhl und weigerte sich bis zu seinem Tod, Montreal zu verlassen.
Und da ich selbst unter massiver Reiseangst bzw. Fortbewegungsangst leide (Flugzeuge? Schiffe? Züge? Alles potentielle Killermaschinen!), haben Paul und ich uns nie kennengelernt.

Aber wir unterhielten eine angeregte Brieffreundschaft seit meinen Teenagertagen.
Irgendwann, als Paul in "das Alter" kam, in dem man sich offensichtlich anfängt, sich Gedanken über seinen Nachlass machen zu müssen, redete er immer wieder davon, mir etwas seines Vermögens zu vererben.
"Nicht viel", hatte er gemeint, halt das, was übrig bleibt, wenn er die Erbteile für Kirche, Tierarzt, Bridgefreunde, Köchin, Gärtner, Pflegerin und Sekretär abgezogen hätte.
Diese Äußerungen habe ich aber nie ernst genommen.

Tja, und nun befinden sich 500.000 Euro auf meinem Konto und ich versuche, noch etwas schockstarr, das Beste draus zu machen.

Und da man ja über so eine unverschämt große Summe auf keinsten(!) mit irgendjemandem aus seinem Umfeld reden darf (außer mit dem Bankberater natürlich), habe ich mich entschlossen, in einem Online-Tagebuch "rauszulassen".