Freitag, 30. September 2016

Erbschaftssteuer

Von der geerbten halben Million bleiben mir "nur" 380.000 Euro.
Das ist schon ein Batzen weniger.
Wer in Deutschland erbt, muss Erbschaftssteuer zahlen.
Auch wenn die Kohle aus dem Ausland kommt.

Für mich als Nichte sind das 25 %.

Unfassbar!
Mit welchem verdammten Recht bedient sich der Staat an der Kohle, die sich jemand mühsam erarbeitet hat?
Gut, Onkel Paul hat sich das Geld eher unmühsam erheiratet, aber grundsätzlich finde ich das ziemlich dreist!

Gesetz den Fall eine Tante hinterlässt ihrer Nichte 1 Million.
Nach Abzug der Steuer bleiben ihr 706.000.

Vor Wut darüber, dass sie knapp 300.000 Steuern zahlen muss, fällt die Nichte tot um und das Geld geht an ihren Bruder.
Nach Abzug der Steuer bleiben dem Bruder 513.000. Euro.

Vor Freude über den Geldsegen fällt auch der Bruder tot um und die Kohle landet bei seiner Freundin.
Unter'm Strich bleiben dieser noch 365.000.
Wow.

Sollte ich tot umfallen, vor Wut oder Freude, das weiß ich noch nicht genau, freuen sich auf jeden Fall meine Jungs Bigun (so nenne ich hier mal den Großen. William Golding lässt grüßen!) und Lilun, der kleine.

Eine halbe Million!

Hallo,
mein Name ist Ricarda und ich habe einen Arsch voll Kohle geerbt.

Grundsätzlich ist das erstmal was Trauriges, schließlich hat für meinen Geldsegen zuvor jemand die Hufe hochklappen müssen.
Und dieser Jemand war mein Onkel Paul.

Onkel Paul ist mit 91 Jahren gesund gestorben. Kein Siechtum oder Demenz oder so.
Kurz vor meiner Geburt ist er nach Kanada ausgewandert und hat dort eine wohlhabende Kanadierin geheiratet.
Seit einem schweren Autounfall, bei dem seine Frau verstarb, saß Paul im Rollstuhl und weigerte sich bis zu seinem Tod, Montreal zu verlassen.
Und da ich selbst unter massiver Reiseangst bzw. Fortbewegungsangst leide (Flugzeuge? Schiffe? Züge? Alles potentielle Killermaschinen!), haben Paul und ich uns nie kennengelernt.

Aber wir unterhielten eine angeregte Brieffreundschaft seit meinen Teenagertagen.
Irgendwann, als Paul in "das Alter" kam, in dem man sich offensichtlich anfängt, sich Gedanken über seinen Nachlass machen zu müssen, redete er immer wieder davon, mir etwas seines Vermögens zu vererben.
"Nicht viel", hatte er gemeint, halt das, was übrig bleibt, wenn er die Erbteile für Kirche, Tierarzt, Bridgefreunde, Köchin, Gärtner, Pflegerin und Sekretär abgezogen hätte.
Diese Äußerungen habe ich aber nie ernst genommen.

Tja, und nun befinden sich 500.000 Euro auf meinem Konto und ich versuche, noch etwas schockstarr, das Beste draus zu machen.

Und da man ja über so eine unverschämt große Summe auf keinsten(!) mit irgendjemandem aus seinem Umfeld reden darf (außer mit dem Bankberater natürlich), habe ich mich entschlossen, in einem Online-Tagebuch "rauszulassen".