Freitag, 28. Oktober 2016

Empfindlich

Mit dem Geld kam der Verfolgungswahn.

Ich meine jetzt nicht Verfolgungswahn im Sinne von "Hoffentlich werde ich nicht ausgeraubt oder entführt!".

Mir fällt nur einiges auf.

Oder bilde ich mir das bloß ein, dass meine beste Freundin, die als einzige eingeweiht ist (also außer Mutter und Bigun), plötzlich vermehrt von Geld redet? Und wie wenig sie davon haben. Und dass das Studium des Sohnes teuer ist und dass die Reparatur des Autos ziemlich reinhaut, etc.
Sie hat eigentlich immer schon übers Geld gejammert, und das obwohl sie 2x jährlich Urlaub machen, 2 Autos fahren und Haus besitzen OHNE verschuldet zu sein.
Aber ich finde, in letzter Zeit wirds mehr.
Erwartet sie was? Erwartet sie womöglich, dass ich ihr anbiete finanziell zu helfen, beim Studium? Bei der Reparatur des Autos?
Erwartet sie dickere Geschenke zum Geburtstag?

Ich habe ihr versprochen, dass ich (bzw. wir) sie und ihre Familie in ein Sterne-Restaurant einladen.
Allerdings haben wir mittlerweile davon Abstand genommen, weil wir uns einig sind, für solche Gelegenheiten gar keine geeignete Garderobe zu besitzen :-)
Und 6 Personen neu und luxuriös (denn das müsste es ja sein) einzukleiden, also nein, dazu bin ich dann zu geizig.
Statt 1x Sternessen, gibt es dann 5x normal, aber gut.


Was ich mir allerdings nicht einbilde ist, dass der Bofrost-Fahrer neuerdings jeden meiner Einkäufe kommentiert.
Und das laut und im Treppenhaus unseres 8-Parteien-Hauses.
Fällt halt auf, wenn die Kundin, statt wie sonst nur Zwiebelwürfel oder Brötchen für 3,95 Euro nun Kamm-Muscheln in Champagnersoße für 20 Euro kauft oder Entenbraten für 40.
Geht aber niemanden was an.
Blödmann!

"Oh, Farfalle in Cherrysoße mit echten Trüffelspänen für 24 Euro! Und Hummercocktail für 19 Euro? So teuer ist das? Da ham Se aber was Feines ausgesucht! Trüffel hab ich noch nie gegessen. Schmeckt bestimmt gut!"
Und dann guckt er meist wehmütig (aber vielleicht bilde ich mir das nur ein) und dann würd ich ihm am liebsten eine reinhauen einen Schein zustecken, damit er auch mal Trüffel probieren kann.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Illegal

Ich hielt Steuerberater bislang für harmlose, langweilige Paragrafenreiter.
Der Steuerberater, an den ich mich gewandt hatte, entsprach nun gar nicht diesem Bild.

Schon als ich reinkam, brachte er mich leicht aus der Fassung mit der Frage:
"Wo ist der Koffer?"

Ich: "Welcher Koffer?"
Er: "Na, der Koffer mit dem Geld!"
Ja, haha.
Ich kauf mir demnächst etwas Steuerberaterhumor.


Auf meine Frage, wie ich nun verfahren müsse, antwortete er:
"Wir rufen das zuständige Finanzamt an und lassen uns eine Steuerklärung für Erbschaften schicken. Diese füllen wir aus, schicken sie zurück, warten auf den Bescheid und zahlen dann, was verlangt wird. In Ihrem Fall leider 30%."
Ich : "Aha. Das klingt einfach."

Er: "Ja. Oder.... Sie melden sich NICHT beim Finanzamt, sondern nehmen das Geld von Ihrem Konto und verstecken es irgendwo. Dass Sie geerbt haben, bekommen die aber sowieso heraus, weil große Summen automatisch bei der Bundesbank gemeldet werden. Das wird nicht heute oder morgen sein, vielleicht aber in 2 Jahren.
Dann sagen Sie, dass Sie das Geld verbraten haben, Urlaube, Klamotten, Spielcasino, etc. Da Sie das aber nicht von der Zahlung der Erbschaftssteuer entbindet, werden die Ihr Gehalt pfänden. Und zwar alles, was über 1.000 Euro hinausgeht.
Sie verdienen jetzt 1.200 Euro, müssen dann monatlich 200 Euro abbezahlen und haben im Gegenzug die KOMPLETTE Erbschaft zum verprassen.
Um 120.000 in 200 Euro-Schritten zusammenzupfänden vergehen 50 Jahre. Wenn Sie noch 30 Jahre leben, haben Sie auf die Art höchstens 40.000 gezahlt, weil Sie als Rentnerin später eh nicht mehr als 1.000 Euro Rente bekommen werden."

Wow.
Damit hatte ich nicht gerechnet.
Klingt enorm verlockend.
Ich hab ja noch ein kein wenig Zeit, mir das zu überlegen.
KÖNNTE ich so machen, aber die Tatsache, dass ich da diesen Mitwisser in Form eines Steuerfuches habe, behagt mir ganz und gar nicht.

Dienstag, 11. Oktober 2016

Spenden für Anfänger

Meine Spenden an das Kinderhospiz, das Tierheim, die Grundschul-Bücherei, Ärzte ohne Grenzen, die Lebenshilfe, die Obdachlosen-Hilfe, das Altenheim, Brot-für-die-Welt, die Krebsstiftung und die örtliche Flüchtlingshilfe waren kein Problem.
Und damit hätte ich doch alle "bedürftigen" Randgruppen abgedeckt, oder?

Überweisung ausgefüllt, abgeschickt, fertig.

Die Spende für die Kinderklinik allerdings wurde ich nicht los.

Ich wollte nämlich nicht in diesen Gemeinschaftstopf einzahlen, woraus dann, nach Gutdünken der Verantwortlichen, Geld entnommen wird für das, was sie für erneuernswert halten.
Ich wollte ganz speziell, dass der Aufenthaltsraum für stationär aufgenommene Kinder und ihre Eltern rundum erneuert wird.

Lilun und ich hatten letztens ein Tages-Stelldichein in der Klinik, weil er sich beim Sport übel den Kopf geprellt hatte. Zum Glück früh morgens, so dass wir für die notwendige 12 h-Commotio-Überwachung nicht über Nacht bleiben mussten, sondern um 21 Uhr gehen durften.
Da er also nicht stationär aufgenommen wurde, verbrachten wir den Tag im besagten Aufenthaltsraum.

Dieser Raum war klein und "durch".
Abgeschabte, bekritzelte Wände, wackelige Stühle, klapperige Tischchen, zerfledderte Bücher, zermacktes Spielzeug, gammelige Gardinen, welliger, graumelierter PVC-Boden.
Eine frustrierende Bruchbude also, kein Raum zum Wohlfühlen.
Und Wohlfühlen sollte wohl das mindeste sein, wenn man mit seinem kranken Kind im Krankenhaus hockt.
Witzigerweise dachte ich schon damals: Wenn ich jemals zu Geld komme, dann werde ich diesen Raum verschönern!

Mein Plan:
einen Maler besorgen, der die Wände streicht.
Neuen Boden verlegen lassen.
Neue Gardinen kaufen.
Neue Möbel.
Neues Spielzeug und Bücher.

Das alles würde ich aussuchen, bestellen, fertig machen lassen und bezahlen.

Klingt einfach, ist es aber nicht.

Denn:
Zunächst muss der Krankenhausausschuss des Landes offiziell zustimmen, ob meine Spende angenommen werden darf.
Wenn ja, darf ich in die Töpfe "Spielzeug", "medizinische Geräte" oder "allgemeine Verwendungszwecke" spenden.
Als Sachspenden dürfen Spielzeug, Bücher und Babykleidung angenommen werden.
Alles was die Räume betrifft, nicht.
Es sei denn, ich wäre Inhaberin eines Malerfachbetriebes; dann dürfte ich die Bude streichen und das als Sachspende deklarieren.

Das klang recht kompliziert, was die "Spendenbeauftragte" mir da am Telefon erzählte.
Sie mussten sogar mal eine Spende ablehnen, was damit zusammenhängt, dass diese Klinik eine bestimmte Gesellschaftsform hat (ich hab das genaue Detail vergessen, so perplex war ich!).

Wie krieg ich nun diesen verdammten Raum verschönert?
Ich werde Gardinen besorgen, da einfach reinmarschieren und die Dinger aufhängen.
Bei der Gelegenheit werde ich die ollen Bücher einsacken und neue hinlegen und ein paar bunte Bilder aufhängen.
Wird eh kein Mensch merken. Bei unserem Aufenthalt  kam in 12 Stunden nicht 1x jemand vom Pflegepersonal rein.
Aber der olle Boden und die versifften Wände?
Ich habe nicht vor, einen ganzen Malereifachbetrieb zu kaufen, nur um die Wände legal in sonnengelb gestrichen zu kriegen.

Ich glaube, ich beratschlage mich mal mit einem Maler.

Der Teppichhandel hat den Deal (-> er verlegt neuen Boden, schickt mir die Rechnung und sackt sich gleichzeitig die Spendenquittung vom Krankenhaus ein) schon abgelehnt; der gab sich seeehr misstrauisch mir und meinem Plan gegenüber. Als führte ich einen riesen Betrug im Schilde!

Alles nicht so einfach.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Konsumkater

Gestern war ich in der Stadt unterwegs und kam an einem Juwelier vorbei.
Die Sonne schien und in dem Schaufenster glitzerte und funkelte was.
Ein Ring.
Ein wunderschöner Ring.

Und da ich bisher noch gar nichts von meinem Erbe ausgegeben habe (von den 120.000 Erbschaftssteuer jetzt mal abgesehen), entschloss ich ganz spontan, diese Glitzerfunkelglamour-Preziose zu kaufen.

Hier ist er:



3.950,-- Euro.

Er glitzert und funkelt unglaublich und ich kann nicht aufhören, ihn anzustarren.
Da bin ich ganz Mädchen.

Ich könnte mir davon noch 96 Stück leisten.
Überhaupt ist das jetzt meine neues Hobby: umzurechnen, wieviel X ich mir für mein neues Geld kaufen könnte.

Als ich nach Hause kam, erwartete mich eine Mail des Schulmensabeauftragten. Der Quartalsbetrag war mal wieder fällig.
Ich rechnete um: ich trage nun 987 Schul-Mahlzeiten am Finger.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und fühlte mich irgendwie nicht gut.
Kann ich gar nicht genau beschreiben.
Verkatert, wie nach durchgemachter Nacht.
Oder wie am anderen Morgen in einem fremden Bett aufwachen nach einem nur semiguten one night stand.
Ich überlegte, dass dieser Ring genau so viel gekostet hatte, wie der Betrag, den ich vorm Erben auf meinem Sparbuch hatte.
Das Sparbuch wäre jetzt also platt.

Ich würde ihn am liebsten umtauschen.
Ey, ich trage umgerechnet 987 Mahlzeiten am Finger!


Mannmannmann, konsumieren muss ich wohl noch üben...

Sonntag, 2. Oktober 2016

Klappe halten

Regel No. 1 bei plötzlichem Reichtum:
nicht drüber reden!

380.000 sind eh zu wenig zum drüber reden.
Klingt bekloppt, ist aber so.

Ich habe bisher nur meine beste Freundin eingeweiht.
Und natürlich meine Mutter.

Denn lässt Du deine Freude ungehemmt raus und posaunst es rum, bettelt dich garantiert irgendeiner an.
Die arbeitslose Nachbarin zum Beispiel, mit 4 Kindern von 5 Männern und du sagst "Nö".
Oder die verschuldete Arbeitskollegin, die sich nicht das tiefergelegte Klo für ihre, durch einen Schlaganfall neuerdings gehbehinderte Mutter leisten kann.
Dann bist Du der Arsch auf ewig
Und zwar in der ganzen Stadt, denn Hilfsbereitschaftslosigkeit spricht sich rum.

Ab und zu mal den Cappuccino beim Elternfrühstück für alle zahlen oder die berühmte "Kleinigkeit" zum nächsten Besuch mitbringen - ok.
Aber erstmal muss ich sehen, wie ich bzw. wir klarkommen.

Oh Mann, wie rede ich denn??
Sollte ich diesen Blog besser umbenennen in:
"Wie ich dank Onkel Paul zum Ebenezer Scrooge mutierte"
??

Samstag, 1. Oktober 2016

kaufen kaufen kaufen kaufen

So viel Geld.

Immer, wenn jemand den Lottojackpot geknackt oder bei Jauch die Million abgeräumt hat, hab ich mir Gedanken gemacht, was ich selbst wohl mit so viel Geld machen würde.

- Eine Eigentumswohnung.
Aber bitte weder EG (-> Einrecher!), noch DG (-> Hitzeschock im Sommer).

- Ein neues Auto.
Mein jetziges würd' ich aber so lange fahren, bis es auseinanderbricht. Wir waren schließlich 15 Jahre gemeinsam ohne Vorkommnisse unterwegs.

- Ein Burberry-Mantel.
Träume ich seit Teenagertagen von. Im Burberry-Online-Shop kostet mein Modell 1.800 Euro. Achtzehnhundert für ein Stück Stoff und ein paar Knöpfe. Nun ja.

- Gelnägel.
Sehen toll aus, fühlen sich gut an.

- Spenden.
Kinder, Alte, Kranke, Obdachlose. Gibt genug Bedürftige.

Das war immer so meine ad hoc-Hierarchie.


Heute füge ich noch hinzu:

- Ein Essen für die ganze Familie in einem Sterne-Restaurant.
Wobei ich uns alle aber wohl vorher adäquat einkleiden muss. Vorzugsweise in Burberry :-)

- Ein Stellengesuch.
Da 380.000 € zu wenig sind, um sich beruflich zur Ruhe zu setzen, liebäugele ich damit, eine Anzeige aufzugeben:
"Biete 1.000 € demjenigen, der mir (alleinerziehender Minijobberin) einen versicherungs-pflichtigen Arbeitsplatz vermittelt oder anbietet."
Habe aber Angst, dass das falsch 'rüberkommen könnte.


Und zum Thema Dekadenz:

- Pringles.
Ich würde eine ganzen Karton kaufen, das leckere Gewürz runterlecken und den labberigen Rest wegschmeißen.

- Eine Ballrobe.
So einen richtig riesigen Glitzerglamourfummel. Mit viel Tüll und Glanz & Gloria. SO. Oder SO. Auf einer Figurine, im Wohnzimmer.
Kann man für sowas schon eingeliefert werden? Ich selbst finde erwachsene Frauen, die sich Puppen in die Bude setzen, ja recht wunderlich.
Oha, ich glaube, ich brauche dringend wieder einen Freund!
A propos...

- Ein Account bei Elitepartner.
Auf die Idee kam meine Mutter. Das wäre so teuer, da würde ich auf jeden Fall einen gutsituierten Mann kennenlernen.
Ähm. Nein.
Was mir derzeit am wenigstens abgeht, ist ein Kerl im Haus. Da haben andere "Baustellen" Vorrang. Aber wer weiß, vielleicht ist ja der Steuerberater, den ich mir zwangsläufig suchen muss, mein Typ.
Oder der Bankberater.
Oder der Burberrymantelverkäufer.

- Neues Smartphone.
Groß muss es sein, mit riesiger Tastatur gegen ständiges Vertippen.

- Was anlegen.
Sparbuch? Aktien? Bankkram eben. Null Ahnung von sowas. 


Mal sehen.
Das hat ja auch alles Zeit. Die Kohle liegt ja friedlich da rum und läuft nicht weg.

Ich fühl mich derzeit etwas gehemmt.
Die Leichtigkeit fehlt.
Einfach losziehen, sich was gönnen und genießen - koste es, was es wolle.
Ist vielleicht eine Alterssache.
Mit Ü40 biste vorsichtiger als mit U30.

Wie auch immer, als erstes gönne ich uns jetzt eine dieser unverschämt teuren, aber auch unglaublich leckeren Torten vom 1. Café am Platze.

(In der Preisklasse, in der ich mich nun bewege, heißt lecker "deliziös",oder?)

Schönes Wochenende!