Dienstag, 11. Oktober 2016

Spenden für Anfänger

Meine Spenden an das Kinderhospiz, das Tierheim, die Grundschul-Bücherei, Ärzte ohne Grenzen, die Lebenshilfe, die Obdachlosen-Hilfe, das Altenheim, Brot-für-die-Welt, die Krebsstiftung und die örtliche Flüchtlingshilfe waren kein Problem.
Und damit hätte ich doch alle "bedürftigen" Randgruppen abgedeckt, oder?

Überweisung ausgefüllt, abgeschickt, fertig.

Die Spende für die Kinderklinik allerdings wurde ich nicht los.

Ich wollte nämlich nicht in diesen Gemeinschaftstopf einzahlen, woraus dann, nach Gutdünken der Verantwortlichen, Geld entnommen wird für das, was sie für erneuernswert halten.
Ich wollte ganz speziell, dass der Aufenthaltsraum für stationär aufgenommene Kinder und ihre Eltern rundum erneuert wird.

Lilun und ich hatten letztens ein Tages-Stelldichein in der Klinik, weil er sich beim Sport übel den Kopf geprellt hatte. Zum Glück früh morgens, so dass wir für die notwendige 12 h-Commotio-Überwachung nicht über Nacht bleiben mussten, sondern um 21 Uhr gehen durften.
Da er also nicht stationär aufgenommen wurde, verbrachten wir den Tag im besagten Aufenthaltsraum.

Dieser Raum war klein und "durch".
Abgeschabte, bekritzelte Wände, wackelige Stühle, klapperige Tischchen, zerfledderte Bücher, zermacktes Spielzeug, gammelige Gardinen, welliger, graumelierter PVC-Boden.
Eine frustrierende Bruchbude also, kein Raum zum Wohlfühlen.
Und Wohlfühlen sollte wohl das mindeste sein, wenn man mit seinem kranken Kind im Krankenhaus hockt.
Witzigerweise dachte ich schon damals: Wenn ich jemals zu Geld komme, dann werde ich diesen Raum verschönern!

Mein Plan:
einen Maler besorgen, der die Wände streicht.
Neuen Boden verlegen lassen.
Neue Gardinen kaufen.
Neue Möbel.
Neues Spielzeug und Bücher.

Das alles würde ich aussuchen, bestellen, fertig machen lassen und bezahlen.

Klingt einfach, ist es aber nicht.

Denn:
Zunächst muss der Krankenhausausschuss des Landes offiziell zustimmen, ob meine Spende angenommen werden darf.
Wenn ja, darf ich in die Töpfe "Spielzeug", "medizinische Geräte" oder "allgemeine Verwendungszwecke" spenden.
Als Sachspenden dürfen Spielzeug, Bücher und Babykleidung angenommen werden.
Alles was die Räume betrifft, nicht.
Es sei denn, ich wäre Inhaberin eines Malerfachbetriebes; dann dürfte ich die Bude streichen und das als Sachspende deklarieren.

Das klang recht kompliziert, was die "Spendenbeauftragte" mir da am Telefon erzählte.
Sie mussten sogar mal eine Spende ablehnen, was damit zusammenhängt, dass diese Klinik eine bestimmte Gesellschaftsform hat (ich hab das genaue Detail vergessen, so perplex war ich!).

Wie krieg ich nun diesen verdammten Raum verschönert?
Ich werde Gardinen besorgen, da einfach reinmarschieren und die Dinger aufhängen.
Bei der Gelegenheit werde ich die ollen Bücher einsacken und neue hinlegen und ein paar bunte Bilder aufhängen.
Wird eh kein Mensch merken. Bei unserem Aufenthalt  kam in 12 Stunden nicht 1x jemand vom Pflegepersonal rein.
Aber der olle Boden und die versifften Wände?
Ich habe nicht vor, einen ganzen Malereifachbetrieb zu kaufen, nur um die Wände legal in sonnengelb gestrichen zu kriegen.

Ich glaube, ich beratschlage mich mal mit einem Maler.

Der Teppichhandel hat den Deal (-> er verlegt neuen Boden, schickt mir die Rechnung und sackt sich gleichzeitig die Spendenquittung vom Krankenhaus ein) schon abgelehnt; der gab sich seeehr misstrauisch mir und meinem Plan gegenüber. Als führte ich einen riesen Betrug im Schilde!

Alles nicht so einfach.

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Auweiha! Da meint man es gut....und dann dieser Bürokratenquatsch.
    Der Teppich-Typ ist ein Depp. Das ist doch alles legal.

    Gab es einen Spendenkater am nächsten Tag?

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    1. Nein! In der Tat kein Kater :-)
      Hat wohl damit zu tun, dass spenden sinnvoller ist, als Kronjuwelen kaufen .

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  3. Moin!

    Gezz mal ernsthaft: Nicht so schnell handeln, erst ne gute Strategie schmieden, wie man dem A-Raum zu neuem Glück verhilft. Die Bude ist nächsten Monat noch genauso runtergerockt, wie im Moment. Da herrscht keine Eile.


    Und noch nen Tip, ohne allerdings zu wissen, ob der Laden im Moment gesund dasteht, ich glaub aber schon:

    https://de.wikipedia.org/wiki/GLS_Gemeinschaftsbank

    Wenn Deine Knete bei denen ruht, machen die zumindest weniger Unfug damit als die anderen Schlips-und-Anzug-Töffels.
    Wenn ich in Deiner Lage wäre, würde ich die Knete da parken. Vielleicht kann man da ja was aushandeln, was ein kleines Zubrot an Zinsen bringt UND von diesen man auch noch was spenden kann.

    Alles Gute und nix überstürzen!

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  4. Na Du bezahlst den Maler, damit er der Klinik eine Sachspende anbietet. Bei dem Teppichhandel hast Du Dir wahrscheinlich einen zu großen ausgesucht. Die wollen keinen Streß wie: Wie verbuchen wir das Ganze? Es haben dort außerdem tausend Leute dazu was sagen. Wenn sich da einer querstellt... so wird (wurde) das offensichtlich nichts.
    Such den örtlichen Mittelstand auf, die freuen sich über Aufträge.
    Wegen dem Banktip oben (ohne die zu kennen): Es gibt auch noch Öko- und und andere Banken, die etwas für Gerechtigkeit, Solidarität etc. tun (wollen?) oder bspw. nicht in Rüstungsbetriebe oder Kernenergie investieren. Falls einem das am Herzen liegt.
    Ansonsten das Geld in verschiedene Anlagen investieren, einen schönen (unsicheren) Aktienmix, ein paar festverzinsliche (sichere) Wertpapiere... Wichtig ist, das Risiko zu streuen.
    Und nichts, wo man permanent Aufmerksamkeit drauf geben muß. So wie Liz Taylor, die hat in jungen Jahren Teile ihrer Gagen in Aktien angelegt und dort ewig liegen lassen. Sich nicht von Kursschwankungen / Krisen beeindrucken lassen... und so wurde es im Laufe der Jahre immer mehr.
    Aber davon wissen deine Bankberater sicherlich mehr. Außerdem werden die sich sowieso demnächst unverbindlich melden, wenn Du noch keinen Termin bei denen hast ;)

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  5. boah so eine super Idee und dann sowas! Unfassbar wie kompliziert das gleich gehandhabt wird.

    Ey du willst doch keine Niere kaufen ��

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